DDR-/Kulturbund-Zeit

Nach 1945 war der Fortbestand von Vereinen aufgrund der Bestimmungen der alliierten Besatzungsmächte nicht mehr möglich. Dies betraf auch die Arbeit des Vereins für die Geschichte Leipzigs. Das Interesse an Stadtgeschichte bestand jedoch ungebrochen fort. Verschiedene Bemühungen führten am 6. Dezember 1947 zur Gründung eines „Arbeitskreises für Stadt- und Kulturgeschichte“, der seit 1955 als „Fachgruppe Stadtgeschichte“ im Kulturbund der DDR Vorträge und Exkursionen organisierte und Publikationen zu stadtgeschichtlichen Themen veröffentlichte. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit Universitätshistorikern und dem Stadtgeschichtlichen Museum.
Einer der profiliertesten Nicht-Historiker der Fachgruppe Stadtgeschichte war Wolfgang Grundmann, der letztere von 1980 bis 1990 leitete. Grundmann wandte sich seit Mitte der 1950er-Jahre besonders der Stadtteilgeschichte zugewandt und trug zur Gründung einer entsprechenden Arbeitsgruppe bei.

Zahlen und Fakten

Anmerkung aus dem Programmzettel für den Monat März 1986: „Bei der Durchsicht unserer Kartei stellten wir fest, daß ein Drittel unserer Mitglieder für das vergangene Jahr 1985 noch keinen Kulturbundbeitrag bezahlt hat.“

Anmerkung aus dem Programmzettel für den Monat Februar 1989: „Um zu vermeiden, daß wir wie im vergangenen Jahr an 40 % unserer Mitglieder Mahnschreiben wegen offenstehender Mitgliedsbeiträge versenden müssen...“

Gegenwart

Dem Leipziger Geschichtsverein eröffnete sich 1992 die Möglichkeit, sogenannte ABM-Kräfte zu beschäftigen. Zunächst war der Vereinsvorstand von zwei zu besetzenden Stellen ausgegangen. Letztendlich konnte das Projekt sogar auf drei ABM-Stellen aufgestockt werden. Beworben hatten sich auf diese Stellen drei arbeitslose Lehrer. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Leipzig bestand das Ziel in der wissenschaftlichen Bearbeitung der Leipziger Kommunalpolitik und Stadtverfassung für den Zeitraum von 1831 bis 1918. Dabei lag der Fokus auf Stadtrat, Stadtverordneten sowie städtischen Wahlen in Leipzig im 19. Jahrhundert. Von Seiten des Leipziger Geschichtsvereins wurde das Projekt von Prof. Dr. Wolfgang Schröder konzeptionell entwickelt, koordiniert und betreut.

Leider sollte die Schaffung und Beschäftigung dieser drei ABM-Stellen den Verein eine finanzielle Überraschung der besonderen Art bescheren. Das Problem entstand aus dem verwaltungstechnischen Ablauf der Gehaltszahlungen. Laut Kassenbericht für das Jahr 1993 erfolgte die Finanzierung der ABM durch das Arbeitsamt Leipzig. Hierfür erhielt der Verein vom Arbeitsamt Zahlungen für Gehälter, Lohnsteuern und Sozialbeiträge in sechsstelliger Höhe. Die eigentliche Abrechnung der Lohnzahlungen lief hingegen über die Gehaltsstelle beim Rat der Stadt Leipzig. Da es nun seitens des Arbeitsamtes zu Verzögerungen bei den Zahlungen an den Verein kam, resultierten hieraus Überziehungszinsen beim Vereinskonto. Diese Zinsen beliefen sich schließlich auf fast 850,00 DM. Daraufhin gab es im Verein Diskussionen und Überlegungen über den Sinn und Zweck beziehungsweise der Realisierbarkeit einer Fortführung dieses Projektes. Im Ergebnis stand das Auslaufen der drei ABM-Stellen Ende Mai 1993. 

Als am 17. Dezember 1990 im Festsaal des Alten Rathauses zu Leipzig die Gründung des Leipziger Geschichtsvereins e.V. stattfand, waren Zeitpunkt und Ort keineswegs zufällig gewählt. Am 17. Dezember 1867 hatte sich der Verein für (die) Geschichte Leipzigs konstituiert, jener Verein, an dessen Traditionen man nun wieder anknüpfen wollte. Der Festsaal im Alten Rathaus gilt nicht nur als die „gute Stube“ Leipzigs, sondern repräsentiert wie kaum ein anderer Ort die Geschichte der Stadt sowie Würde und Selbstbewusstsein ihrer Bürgerschaft. Der Saal bildet gleichsam das Herzstück des Stadtgeschichtlichen Museums, genau jenes Museums, dessen Entstehung auf eine Initiative des Vereins für die Geschichte Leipzigs zurückgeht.
Einer der Kernpunkte auf der Gründungsversammlung war die Beschließung des Statuts mit dem darin formulierten Zweck des neuen Vereins. Diese Ziele bestehen in der wissenschaftlichen Erforschung, Darstellung und Verbreitung der Geschichte Leipzigs im Kontext zur Regional- und Landesgeschichte, in der Förderung der Heimatgeschichte und Denkmalpflege, in der Betonung der identitätsstiftenden Wirkung einer denkmal- und geschichtsgerechten Pflege für die Stadt Leipzig und deren Bürger sowie der Unterstützung und Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums zu Leipzig.

Unter den 43 Gründungsmitgliedern waren zahlreiche Mitstreiter der Fachgruppe Stadtgeschichte Leipzig. Dieser Arbeitskreis hatte in den vierzig Jahren vor 1989 versucht, unter ungleich schwierigeren Bedingungen, das Erbe des alten Vereins für die Geschichte Leipzigs zu bewahren und fortzuschreiben. Nunmehr erwies sich die Fachgruppe als Fundament für den neuen Leipziger Geschichtsverein. Noch wenige Tage vor der Neugründung hatte die Leitung der Fachgruppe Stadtgeschichte konstatiert: „…aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse [wurde] beschlossen, die 1949 staatlicherseits verordnete zwangsweise Eingliederung der Fachgruppe Stadtgeschichte in den Kulturbund zu beenden und einen eigenständigen und unabhängigen Leipziger Geschichtsverein zu gründen.“ Weiter hieß es: „Dieser soll an die Traditionen des 1867 gegründeten Vereins für die Geschichte Leipzigs anknüpfen, Bewährtes bisheriger Stadtgeschichtsarbeit fortführen und allen regionalgeschichtlich Interessierten und engagierten Bürgern eine gute Heimstatt sein.“ 
Die Neugründung des Leipziger Geschichtsvereins bedeutete für die Mitglieder der Fachgruppe Stadtgeschichte einerseits einen Bruch mit gewohnten Strukturen und Verantwortlichkeiten, andererseits bot sich nun die Chance zu einer selbstbestimmten Fortsetzung der über Jahrzehnte geleisteten Arbeit. Wenige Tage nach der vollzogenen Vereinsgründung bemerkte dazu Wolfgang Grundmann, der vormalige Leiter der Fachgruppe, selbstkritisch in einem Brief an Karl-Hermann Wegner, den Leiter des Stadtmuseums Kassel: „…Den Vereinsvorsitz hat eine junge Historikerin der Universität [Anm.: Dr. Katrin Keller] übernommen, und ich bin nur noch Stellvertreter. So wird neuer Elan in die Arbeit des Vereins kommen…“  Bereits in den ersten Monaten seines Bestehens trat etwa die Hälfte der Mitglieder der ehemaligen Fachgruppe Stadtgeschichte dem neuen Leipziger Geschichtsverein bei. Zusammen mit weiteren Interessenten wurde so die Zahl von 200 Mitgliedern bereits wieder annähernd erreicht. Mit dieser Basis konnte nun die Umsetzung der Ziele angegangen und die Vereinsarbeit mit Leben gefüllt werden.

Mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Herbst 1989 ergaben sich plötzlich neue Möglichkeiten und Perspektiven, von denen nur wenige Wochen vorher kaum jemand auch nur zu träumen wagte. Eine solche neue Möglichkeit eröffnete sich zwischen der Fachgruppe Stadtgeschichte Leipzig und dem Verein Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V. in Form einer Partnerschaft. Treibende Kräfte waren hierbei auf Leipziger Seite Wolfgang Grundmann, Leiter der Fachgruppe Stadtgeschichte, und auf Kasseler Seite u. a. Karl-Hermann Wegner, Leiter des dortigen Stadtmuseums.
Bereits Ende Dezember 1989 fand ein erstes Treffen beider Vereine statt. Danach ging es Schlag auf Schlag, und die Kontakte wurden intensiviert. So gab es gegenseitige Besuche: im Juni 1990 eine Fahrt von Mitgliedern der Fachgruppe Stadtgeschichte nach Kassel, im September desselben Jahres waren die Freunde des Stadtmuseums Kassel an der Pleiße zu Gast.
Es blieb jedoch nicht bei reinen Besuchen mit Stadtführungen, Besichtigungen oder geselligem Beisammensein. Beide Vereine vereinbarten Projekte, die schnell konkrete Gestalt annahmen. So floss eine großzügige finanzielle Unterstützung aus Kassel für die Anschaffung eines Kopierers, der für die Vereinsarbeit in Leipzig unverzichtbar wurde. Hingegen übernahm die Fachgruppe Stadtgeschichte die Patenschaft für ein Gebäude des zu schaffenden Kasseler Stadtmodells von 1766, konkret für das „Leipzig Tor“.
Bereits beim Besuch aus Kassel im September 1990 überreichte Frau Eva-Marianne von Forstner-Römhild umfangreiche Dokumente von Johann Theodor Römhild (1684 – 1756), darunter 135 handgeschriebene Kompositionsseiten zu 10 Kantaten, an Wolfgang Grundmann. J. T. Römhild war nicht nur Komponist und Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach, sondern zugleich ein Vorfahre des verstorbenen Ehemanns von Eva-Marianne von Forstner-Römhild, Hans Römhild. Natürlich verblieb die Schenkung nicht bei der Fachgruppe Stadtgeschichte. Wolfgang Grundmann übergab die Dokumente an Dr. Klaus Sohl für die Sammlungen des Stadtgeschichtlichen Museums zu Leipzig. 
Die Partnerschaft zwischen Kassel und Leipzig erschöpfte sich damit jedoch keineswegs. Als im Dezember 1990 die Gründung des Leipziger Geschichtsvereins bevorstand, bekräftigten die Freunde des Stadtmuseums Kassel die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem künftigen Verein. So traten beide Vereine dem jeweils anderen Verein als Mitglied bei. Aber auch einzelne Aktive aus Kassel wurden Mitglieder im Leipziger Geschichtsverein und umgekehrt. 

In den folgenden Jahren bereicherten weitere gegenseitige Besuchsfahrten und Exkursionen das Vereinsleben. Des Weiteren gab es Arbeitstreffen, zum Beispiel in der Bibliothek des Stadtgeschichtlichen Museums, und Gastvorträge in Kassel und Leipzig („Die Brüder Grimm und Kassel“, Vortrag von Christa Waitz von Eschen aus Kassel in der Alten Börse in Leipzig, 1994).
In den folgenden Jahren bereicherten weitere gegenseitige Besuchsfahrten und Exkursionen das Vereinsleben. Des Weiteren gab es Arbeitstreffen, zum Beispiel in der Bibliothek des Stadtgeschichtlichen Museums, und Gastvorträge in Kassel und Leipzig („Die Brüder Grimm und Kassel“, Vortrag von Christa Waitz von Eschen aus Kassel in der Alten Börse in Leipzig, 1994).

Als 1993 im Rahmen der Schriftenreihe des Leipziger Geschichtsvereins die Publikation „Kirchen in Leipzig“ im neu gegründeten Sax-Verlag erscheinen sollte, waren es wieder die Freunde des Stadtmuseums Kassel, die dem Verein respektive dem Verlag finanziell unter die Arme griffen. Mit Hilfe eines zinslosen Darlehns in fünfstelliger Höhe konnte dieses Projekt realisiert werden. Der Kredit konnte ein Jahr später fristgemäß zurückgezahlt werden.
Ein Höhepunkt in der Partnerschaft beider Vereine ergab sich zweifelsohne kurz nach dem Jahre 2000. Durch zahlreiche Eingemeindungen nach Leipzig in den Jahren zuvor, ergab sich in der Stadt die Notwendigkeit, mehrfach vorkommende Straßennamen umzubenennen. Wolfgang Grundmann nutzte die Chance und ergriff die Initiative für eine Umbenennung der Schkeuditzer in Kasseler Straße. Die im Stadtteil Gohlis gelegene Straße trägt seit 2001 den Namen der hessischen Stadt.
  Auch wenn mit dem Tod von Wolfgang Grundmann im Jahre 2004 die Aktivitäten zwischen dem Verein der Freunde des Stadtmuseums Kassel und dem Leipziger Geschichtsverein merklich nachgelassen haben, sind beide Vereine nach wie vor durch eine gegenseitige Mitgliedschaft miteinander verbunden.