Vereinsgründung - Die ersten Jahrzehnte

Als eine Art Vorläuferin des Leipziger Geschichtsvereins darf das 1637 gegründete Görlitzische Collegium Poeticum angesehen werden, aus dem wiederum die Alte Deutsche Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Sprache und Altertümer hervorging.
1727 nahm sich Johann Christoph Gottsched der Leitung der Deutschen Gesellschaft an und erneuerte sie. Sein Austritt elf Jahre später leitete zugleich deren Niedergang und Ende ein.
1827 gründeten deshalb Leipziger Bürger die neue Deutsche Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Sprache und Altertümer. Am 17. Dezember 1867 schließlich wurde eine Institution ins Leben gerufen, die sich - anders als die Deutsche Gesellschaft - nicht der Bewahrung der deutschen Sprache verschrieb, sondern sich zum Ziel setzte, die Altertümer Leipzigs zu erhalten und ihre Geschichte zu erforschen.

Der Architekt Dr. Oskar Mothes und der Lehrer Ernst August Rommel gründeten mit 19 weiteren Leipziger Bürgern (ausschließlich Männern) den Verein für die Geschichte Leipzigs. Nach dem Vorbild des Hamburger Geschichtsvereins folgte die Vereinsorganisation dem Prinzip der Selbstverwaltung der einzelnen Abteilungen.
Der Verein setzte sich aus dem alle zwei Jahre neu zu wählenden Vorstand, der artistischen und literarischen Sektion sowie dem Pfleger-Ausschuss zusammen. Mit der Ausstellung seiner allmählich vor allem durch Spenden zusammengetragenen Sammlung und der Veranstaltung von Vorträgen sowie der Publikation von Schriften, versuchten die Mitglieder das öffentliche Interesse für die Geschichte ihrer Stadt zu wecken.

„Der Verein für die Geschichte Leipzigs hat sich den Zweck vorgesetzt, für die Erforschung der Stadt Leipzig mit besonderer Berücksichtigung geschichtlicher Denkmäler zu wirken und die Resultate seiner Arbeiten durch Veröffentlichung zum Gemeingute aller Derjenigen zu machen, welche an der Geschichte und Sage unserer Stadt Interesse nehmen. Zugleich bestrebt sich derselbe, vorhandene geschichtliche Denkmäler zu erhalten und wichtige Vorgänge durch äußerliche Merkzeichen der Vergessenheit zu entziehen.“
(StA, Verein für die Geschichte Leipzigs Nr. 1)

Die Artistische und die Literarische Sektion
Die artistische Sektion war mit der Aufgabe betraut, die bedrohten Altertümer zu erhalten. Dafür besichtigten ihre Mitglieder auf sogenannten Erwerbsfahrten in und um Leipzig historische Objekte, erwarben diese entweder käuflich oder konnten sie als Schenkung oder Leihgabe der Sammlung einverleiben.
Zu den Sammlungsobjekten gehörten Stadtansichten, Stadtpläne, Bildnisse von berühmten Persönlichkeiten, Karikaturen, aber auch Kircheninterieur, Grabsteine etc. Unterstützt wurde der Verein in seinem Anliegen dabei finanziell als auch mit der Überlassung von Objekten vom Rat der Stadt, Kirchen, der Handelskammer, Innungen, der Stadtbibliothek, anderen historischen Institutionen und nicht zuletzt Einzelpersonen.
Die Pflege der einzelnen Sammlungsobjekte oblag den Angehörigen des Pfleger-Ausschusses. Eine weitere Aufgabe der artistischen Sektion bestand in der Anbringung von Gedenktafeln an stadtgeschichtlich relevanten Orten.
Nur relativ kurze Zeit hingegen bestand die literarische Sektion (1868 – 1878). Ihre Aufgabe bestand darin, die Vorträge vorzubereiten, Literatur zur Geschichte Leipzigs zu sammeln, wissenschaftliche Anfragen zu bearbeiten sowie die Biografien von bedeutenden Leipziger Persönlichkeiten zu erstellen und Urkunden, die sich in ihrer Obhut befanden, auszuwerten.
Auch das Publizieren der Vereinsschriften (Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs) gehörte zu ihrem Aufgabenspektrum.

Die Sektion kümmerte sich auch um die Anbringung und Pflege der Gedenktafeln. Zu derartigen noch erhaltenen Gedenktafeln gehörten jene von
 • Christian Fürchtegott Gellert am Wohnhaus Schwarzes Brett, Ritterstr. 8/Hof;
 • Abraham Gotthelf Kästner am Geburtshaus Petersstr. 31 (neu Nr. 35, „Zum weisen Salomo“), Mathematikprofessor und Epigramm-Dichter;
 • Albert Thorwaldsen im Hausflur des Gasthauses „Zur Stadt Hamburg“, Nikolaistr. 7 (10);
 • Siegfried August Mahlmann, Dichter, am Geburtshaus Reichsstr. 2 (4);
 • Käthchen Schönkopf am Haus Brühl 19;
 • Denkmal auf dem Nordfriedhof für die bei der 1. Gasanstalt gefundenen Gebeine von Teilnehmern der Völkerschlacht;
 • Johann Wolfgang Goethe im Hof der großen Feuerkugel, Neumarkt 3;
 • Rudolf von Gottschall am Haus Auenstr. 1a.
Da die Tafeln sehr kostspielig waren, suchte man deren Zahl zu beschränken.

Da die literarische Sektion nur kurz bestand, übernahm wenig später der Vorstand die Vorbereitung der Vorträge. Die Vortragsabende sollten zunächst in unregelmäßigen Abständen stattfinden, wobei sich der Mittwochabend als Vortragsabend einbürgerte. Jeden Monat einen Vortrag abzuhalten, erwies sich allerdings als kaum realisierbar.
Dann wurde am 21. 9. 1876 nochmals beschlossen, regelmäßig alle 4 Wochen einen Vortrag anzubieten, allerdings war es schwierig, Vortragende zu gewinnen, insbesondere im Sommer, so dass man die Vortragsabende auf das Winterhalbjahr beschränkte.
Im Oktober 1886 schlug der damalige Vorsitzende des Vereins, Dr. Gustav Wustmann, vor, nicht mehr bestimmte Vorträge anzukündigen, sondern die Abende durch kleinere Mitteilungen zu füllen, dafür aber regelmäßig jede zweite Woche zusammenzukommen. Diese „Plauderabende“ konnte Wustmann selbst gut gestalten.
Später kehrte man jedoch wieder zu Vortragsabenden zurück. Die Hauptversammlungen dienten ganz den geschäftlichen Mitteilungen und einem kleinen Festmahl.

Die Bibliothek war seit 1873 im Alten Johannishospital untergebracht. Die Aufstellung erfolgte aus Platzgründen in Doppelreihen.
Es gab 2 Abteilungen: Lipsiensia und Saxonica. Man beklagte in allen Berichten jedoch fehlende Benutzer.
Anfänglich konnte die Bibliothek nur am Sonnabend Nachmittag benutzt werden, später erfolgte eine zeitliche Verlegung auf den Sonntag, um auch den Besuchern der Vereinssammlungen, die immer nur sonntags zur Mittagszeit geöffnet waren, zur Verfügung zu stehen. Appelle an Vereinsmitglieder halfen freilich wenig.
Bücher konnten auch außer Haus ausgeliehen werden. Wenn der Bibliothekar Mackroth Urlaub hatte, blieb die Bibliothek geschlossen. Bis zur Verpflichtung des ersten Assistenten vertrat ihn Ernst Seidel.
1876/77 erfolgten 29 Entleihungen, 1879/80 stieg die Zahl auf 60 Entleihungen, 1883/83 fiel sie wiederum auf lediglich 10.
1892/93 wurden 80 Entleihungen, 1899: 95, 1903/04: 40 Entleihungen vermerkt.
1883/84 hielt der Bibliothekar Mackroth die Bibliothek samstags 17-20 Uhr offen, mit Ausnahme der üblichen Tage im August und September.